Stand: April 2009

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Das Ullsteinhaus

Historie
Das Ullsteinhaus wurde nach den Entwürfen des Architekten Eugen G. Schmohl in den Jahren 1925 – 1927 gebaut. Professor Eugen G. Schmohl, geboren am 2. August 1880, erlebte die Vollendung seines größten Werkes nicht mehr. Er starb am 18. Juni 1926.

Ullsteinhaus

Das im sogenannten »Donjon-Stil« realisierte Bauwerk gehört zu den wohl imposantesten Industriebauten Berlins. Geplant und verwirklicht für den Ullsteinverlag, dem damals größten Zeitungs- und Zeitschriftenverlag Europas, wurde der Bau bereits in den 20er Jahren als »Industrie-Kathedrale« gefeiert.

Das ehemals hochmoderne Druckhaus steht auch für die wechselvolle Geschichte Berlins: Nach der euphorischen Aufbruchstimmung der 20er Jahre und der Repression der 30er und 40er Jahre wurde das Tempelhofer Wahrzeichen im Kampf um Berlin schwer zerstört. Am 27. April 1945 besetzten sowjetische Truppen auf ihrem Weg zur Mitte Berlins das Ullsteinhaus, damals »Druckhaus Tempelhof« und hießten auf dem Turm noch vor dem Reichstag die sowjetische Fahne. Vom Turm aus nahmen sie die andere Seite des Teltowkanals und das Flughafengelände unter Beschuß.

Nach 1945 wurde das Ullsteinhaus Ort des Neubeginns für das Zeitungswesens im westlichen Teil Berlins.

Erst 1952 wurde das 1934 von den Nazis enteignete Verlagshaus an die Familie Ullstein zurückgegeben, das seit 1965 unter Denkmalschutz steht.

1952 glückte mit literarischen Welterfolgen wie Françoise Sagans »Bonjour Tristesse« und Heinrich Harrers »Sieben Jahre in Tibet« Ullstein erneut ein verlegerischer Coup. Trotz der Gründung der Ullstein Verlags GmbH im Jahr 1959 zog sich die Familie Ullstein ein Jahr später in dritter Generation aus dem Unternehmen zurück.

1960 übernahm der Verleger Axel C. Springer den Ullsteinverlag. Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 verlegte der Springer-Verlag in den Folgejahren aus politischen Gründen zunächst den Druck und ab 1966 auch die inhaltliche Produktion seiner Zeitungen möglichst nahe an die Berliner Mauer – an die Kreuzberger Kochstraße.

Mit dem Verkauf des »Druckhaus Tempelhof« 1985 wurde auch der Druck der letzten im Ullsteinhaus hergestellten Berliner Tageszeitung eingestellt – der »Berliner Morgenpost«.

Die Berliner Immobilienfirma Becker & Kries erwarb für 200 Mio. DM das Areal »Druckhaus Tempelhof«. 1987 entstand als Tochtergesellschaft die »Mode Center Berlin Management Verwaltungs GmbH«. In der 1990er Jahren wurde das Ullsteinhaus mit dem »Mode Center Berlin« (MCB) von den Architekten Nalbach+Nalbach beträchtlich erweitert. Mit einer neuen Architektursprache konnten sie an den historischen Bau anzuknüpfen.

Das MCB ist ein wichtiger Handelsplatz für die Modebranche in Berlin und den neuen Bundesländern und u.a. Ausrichter der ältesten Modemesse der Welt, der traditionsreichen »Berliner Durchreise«. Auf 55.000 Quadratmetern bietet das MCB als Austellungs- und Orderhaus Nutzfläche für über 250 eingemietete Modefirmen mit 750 Kollektionen.

 

Ein Industriebau

Die architektonische Pionierleistung dieses ersten Stahlbetonbaus ist u.a. in dem Standardwerk »Ein Industriebau« von 1927 dokumentiert.

 

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Architektur

Donjon-Stil
Ein Donjon (aus frz. donjon) ist ein Wohnturm und Wehrturm einer mittelalterlichen Burg. Das Wort geht zurück auf lat. dominus, was Herr bedeutet, denn der Donjon wurde vornehmlich vom Burgherrn bewohnt. Der englische Begriff dungeon geht auf die französische Bezeichnung zurück, allerdings verschob sich hier die Bedeutung später auf “Kerker”, wohingegen der dem Donjon entsprechende Turm als Keep bezeichnet wird.

Der Donjon bildet entweder als Hauptturm den Kern der Burg oder tritt als besonders starker Mauerturm auf. Vom Bergfried, dem unbewohnten Hauptturm vieler Burgen im deutschsprachigen Raum, unterscheidet sich der Donjon durch seine grundsätzliche Eigenschaft als Wohnturm, weshalb auch vergleichsweise größere Grundflächen üblich sind. Der Donjon ist neben der Motte eine der Keimzellen der hochmittelalterlichen westeuropäischen Adelsburg. Vor allem in Frankreich und England (dort als Keep bezeichnet) sind schon im 11. Jahrhundert große Donjons errichtet worden (beispielsweise Schloss Loches/Loire). Auf die britische Insel gelangte dieser Bautyp im Zuge der normannischen Invasion des angelsächsischen Englands.

(Quelle: wikipedia.de)

 

Prominente Beispiele:

Rotes Rathaus, Berlin

Das Rote Rathaus

 

Tower of London

Tower of London

 

Windsor Castle

Windsor Castle

 

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Chronologie des Ullstein-Verlages:

1878 von Leopold Ullstein als Berliner Zeitung Leopold Ullstein gegründet.

Veröffentlichungen:
1887 Berliner Abendpost, Berliner Illustrierte Zeitung
1889 Berliner Morgenpost, Berliner Lokal-Anzeiger
1904 Neues Berliner Tageblatt, Berliner Zeitung am Mittag, BZ
1904 »Musik für alle«
1905 Gründung des Modeverlages
1910 Rote Ullstein Bücher
1914 Erwerb der Vossischen Zeitung
1920 Berliner Allgemeine Zeitung
1919 Erwerb des Propyläen-Verlages
1924 »Querschnitt«, Zeitschrift der Avantgarde, »Uhu« (Konzeption durch Kurt Tucholsky)
»Tonmeister-Ausgaben«, herausgegeben vom Pianisten Artur Schnabel (1933 eingestellt)
1925 – 1927 Bau des Ullsteinhauses
1927 »Grüne Post« (Sonntagszeitung für Stadt und Land)
1928 Erich Maria Remarque »Im Westen nichts Neues«, Vicky Baum »Menschen im Hotel«
1930 Heinrich Mann »Professor Unrat«
1931 Carl Zuckmayer »Der Hauptmann von Köpenick«
1932 Buchreihen »Unterhaltsame Wissenschaft«, »Du und Du«
1934 Enteignung des Ullstein-Verlages durch die NSDAP
1937 Umwandlung des Ullstein-Verlag in den »Deutschen Verlag«, nach 1945 Verlag »Druckhaus Tempelhof«, vorm. Deutscher Verlag
1948 Eugen Kogon – Der SS-Staat, Thor Heyerdahl – Kon Tiki
1952 Rückgabe des Verlages an die Famlie Ullstein, Heinrich Harrer – Sieben Jahre Tibet,
Françoise Sagan – Bonjour Tristesse
1959 Gründung der Ullstein Verlags GmbH
1960 Rückzug der Familie Ullstein in dritter Generation aus dem Unternehmen, Übernahme durch den Zeitungsverleger Axel C. Springer
1998 Das »Münchener Verlagshaus Goethestraße« geht zu 95 Prozent an Axel Springer.
Dazu gehören die Buchverlage List, Claassen, Econ, Marion von Schroeder, Südwest, Bucher, Econ und List Taschenbuch
2003 Beteiligung der zum Bertelsmann-Verlag gehörenden Random House Gruppe am UllsteinVerlag

Quelle: Hans-Eugen Bühler/Olaf Simons, Die blendenden Geschäfte des Matthias Lackas.
Korruptionsermittlungen in der Verlagswelt des Dritten Reichs
(Köln: Pierre Marteau, 2004), 208 S, ills.

 

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