Stand: April 2009

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Geschichte

Die U6 verbindet in Nord-Süd-Richtung Tegel mit Alt- Mariendorf. Die Linie ist 20 Kilometer lang und hat 29 Bahnhöfe. Sie war 1923 die erste Linie, die von der Stadt Berlin als so genannte Großprofillinie gebaut wurde.

U-Bahnhof Ullsteinhaus

Am 28.Februar 1966 wurde die Strecke von Tempelhof (Südring) nach Alt-Mariendorf dem Verkehr übergeben. Gleichzeitig wurden die Linien C I und C II zur neuen Linie 6 zusammengefasst, die nunmehr von Alt-Mariendorf bis nach Tegel reicht. Mit Einrichtung dieser damals neuen U-Bahnlinie hatte sie ihr Ausbaustadium bereits erreicht, obwohl immer wieder eine Weiterführung nach Lichtenrade verlangt wurde. Mit dem Bau der Mariendorfer Strecke wurde im März 1961 in Tempelhof begonnen.

U-Bahnhof

Herausragendes technisches Bauwerk dieser Strecke ist die Querung des Teltowkanals innerhalb der Stubenrauchbrücke, die in Folge des U-Bahnbaus völlig neu erstellt werden musste. Um den Kanal zu queren, gab es im Grunde nur eine vernünftige und kostengerechte Variante: die U-Bahn über den Kanal hinweg zu führen. Die Besonderheit dieses Bahnhofes besteht darin, dass die Bahnsteighalle innerhalb des Brückenkörpers der Stubenrauchbrücke über den Teltowkanal hinweg geführt wird. Hierzu musste die Straßengradiente angehoben werden, um den Platz für den U-Bahnhof zu gewinnen. Er liegt daher unmittelbar unter der Straße selbst. Folglich befinden sich die Vorhallen auf Bahnsteigniveau. Je ein Zugang führt direkt auf die Straßenebene, während weitere Zugänge über ein tiefer gelegenes Tunnelsystem mit den anderen Straßenrändern verbunden sind. Im Brückenbereich ist der Bahnsteig durch eine fast durchgehende Wand in zwei Bereiche geteilt.

 

Teltowkanal

Besonderheit beim Ausbau-Projekt 17 des Teltow-Kanals
Nach der Wiedervereinigung gehört der Kanal zum Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (Projekt 17), das den Ausbau der 280 km langen Wasserstraße Berlin — Hannover beinhaltet. Projekt 17 sieht eine allgemeine Vertiefung auf 4 Meter und Verbreiterung des Teltowkanal auf 29 Meter. Endpunkt des bis 2016 fertig zu stellenden Projekt ist Königswusterhausen.

Aufgrund der architektonischen Besonderheiten des U-Bahnhofes Ullsteinstraße kommt Projekt 17 an der Stubenrauchbrücke zum Stillstand, obwohl das Land Berlin 2002 mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgericht dazu verpflichtet wurde. Die Stubenrauchbrücke stellt dieses Projekt vor massive Probleme, denn die dafür notwendige Anhebung der Stubenrauchbrücke samt U-Bahnhof stellt die politischen Verantwortlichen vor bislang unlösbare Probleme. Denn neben einer neuen Neigung des Tempelhofer Damms hätte das auch städteplanerische Probleme für den aktuellen Hafenumbau und das Ullsteinhaus. Letztlich hätte dies sogar die Verkürzung U6 bis U-Bahnhof Kaiserin-Augusta-Straße zur Folge.

Sprengung

Die Stubenrauchbrücke (km 23,23) wurde im Frühjahr 1945 von Einheiten
der Wehrmacht und der SS gesprengt, um den Vormarsch der Sowjets
nach Berlin zu stoppen.

Die am 21.10.1950 neu eingeweihte Stubenrauchbrücke wurde mit Baubeginn im Oktober 1961 zur neuen U-Bahnlinie wieder obsolet, da die Brückenbreite den modernen Verkehrs-Erfordernissen angepasst werden mußte. Der Abriss der »alten« Brücke freilich war erst möglich, nachdem im Oktober 1961 die beiden Straßenbahnlinien 98 und 99 nach Lichtenrade bzw. Marienfelde eingestellt worden waren.

 

Wer war Ernst von Stubenrauch?
Ernst von Stubenrauch (1853 bis 1909) gilt als der bedeutendste Landrat des Altkreises Teltow (1885 bis 1908). Er trat dieses Amt im Februar 1885 als Nachfolger von Prinz Handjery, (Präsident der Königlichen Regierung in Liegnitz) an. Seine besondere Leistung war die Initiative zum Bau des Teltowkanals (1900 – 1906).

Bau des Teltowkanals

Bau des Teltowkanals
(1900 – 1906)
(Foto: Archiv Heimatverein, Teltowkanal
heute: Stadtteilzentrum Steglitz)

Gemeinden entlang der Bäke hatten sich lange Zeit bemüht, das versumpfte Bäketal als Vorfluter zur Abwasserbeseitigung zu benutzen. Mit dem Bau des Kanals schaffte es Stubenrauch, dieses Problem zu lösen; zum anderen wurden Havel und Spree im Süden Berlins verbunden, was dem Schiffsverkehr Zeitersparnis brachte. Der Teltowkanal erleichterte den Schiffsverkehr und die Abwasserbeseitigung und förderte die Industrialisierung im Berliner Süden. In seine Amtszeit fiel aber auch die Eingemeindung großer Teile des Kreises Teltow nach Berlin. Dadurch sanken nicht nur die Einwohnerzahlen, sondern auch die Steuereinnahmen des Kreises. Ernst v. Stubenrauch (Adelstitel aus dem Jahre 1900) wurde am 19.7.1853 im schlesischen Sagen geboren, studierte in Heidelberg Jura, Kameralia (Verwaltung und Staatswissenschaft) und Volkswirtschaft.

Ernst von Stubenrauch

Ernst von Stubenrauch engagierte sich auch sozialpolitisch, so wurden in seiner Amtszeit mehrere Krankenhäuser im Kreis gebaut. 1894 Trebbin (übernommen durch den Kreis), 1896 Britz, 1897 Königs Wusterhausen, 1900 Groß-Lichterfelde (ab 1913 Stubenrauch Krankenhaus), 1907 Mittenwalde. Ferner zeichnete Stubenrauch auch verantwortlich für den Bau des Grunewaldturmes, der vom Architekten Schwechten 1897 zum 100. Geburtstag von Wilhelm I. geplant wurde. Stubenrauch war es, der dem Wannsee den Badebetrieb brachte, indem er das Baden in den Seen erlaubte. Nun durften die Polizisten dieses nicht mehr verbieten, sondern mußten sogar die Badenden schützen. Hatte Prinz Handjery die Hauptstraßen im Süden des Kreises bis Berlin ausgebaut, kümmerte sich Stubenrauch um die Verbindungsstraßen. Das Chausseenetz wurde von 1885 bis 1895 von 350 km auf 500 km Länge ausgebaut. Weiterhin förderte er den Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse; zum Beispiel ließ er die heutige Grunewaldstraße (Schöneberg) anlegen, da die Wilmersdorfer Bauern ihre Milch vorher wegen der schlechten Wegeverhältnisse nicht nach Berlin bringen konnten.

Stubenrauch kümmerte sich auch um die Hygiene in seinem Landkreis. Der übelriechende »Schwarze Graben« im Bereich des heutigen Kurfürstendamms wurde 1891 kanalisiert und verschwand bald unterirdisch. Nuthe, Dahme und Bäke wurden reguliert. Seit 1895 dürfen Berliner Müllabfallgesellschaften Berlins Hausmüll nicht einfach auf Teltower Felder kippen, sondern dieser muß auf Kähnen über die Kreisgrenzen hinaus befördert werden.

Nachdem das Landratsamt zwischen 1915 und 1871 in der Teltower Ritterstraße 29 (das Gebäude steht noch heute, leider befindet es sich in einem beklagenswerten Zustand), beheimatet war (vorher hatten die Landräte ihr Büro im eigenen Hause), verlegte man es im März 1871 nach Berlin in die Matthäuskirchstraße 21. Die Umzugskosten betrugen 151 Taler und 20 Groschen – der Umzug von Bonn nach Berlin ist ein wenig teurer...

Im Januar 1908 wurde Stubenrauch zum Polizeipräsidenten von Berlin ernannt. Hier konnte er nur noch ein Jahr wirken. Im Herbst 1908 befiel ihn eine unheilbare Krankheit (Kehlkopfkrebs), er starb am 4. September 1909. Er wurde auf dem Genshagener Friedhof beerdigt.

Nach Ernst v. Stubenrauch sind in Berlin die Brücke über den Teltowkanal und vier Straßen benannt (in Zehlendorf, Friedenau, Rudow und Lichterfelde). Außerhalb Berlins im ehemaligen Kreis Teltow gibt es diverse weitere.

 

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